Maloja

Maloya

16.7.09 - 1.8.09
Künstler: Brigitte Lustenberger
Vernissage: Do 16.7.09 ab 19h
Finissage: Sa 1.8.09 ab 17h

In Maloja machen wir jeweils Halt und stehen kurz an die Kante des Engadins. Wir schauen ins Bergell hinunter, um dann, erfrischt, die Haarnadelkurven des Malojapasses in Angriff zu nehmen – wenn wir nur nicht hinter einen Holländer mit Wohnwagen geraten! Maloja ist ein Ort des Transits: Die meisten fahren mit dem Auto durch das Dorf hindurch, bleiben, wenn überhaupt, nur kurz. Einige immerhin gehen ins Hotel, segeln im Sommer, fahren im Winter Ski: Maloja hat rund 300 Einwohner und bietet das Doppelte an Hotelbetten.

Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts war Maloja ein Maiensäss und war nicht ganzjährig bewohnt. Dann kam der belgische Adlige Camille de Renesse und baute, von Maloja restlos begeistert, zwei Hotels, zwei Kirchen, verschiedene Villen und einen mittelalterlich anmutenden Wohnturm. Aber die meisten Menschen wanderten aus dem Bergell ein, begannen Häuser zu bauen, sich niederzulassen. Und so spricht man in Maloja den italienischen Dialekt des Bergells, gehört politisch zur Bergeller Gemeinde Stampa, obwohl das Dorf geografisch am Rand des Engadins liegt, kurz vor dem Abgrund zum Bergrell, dem Malojapass. In Maloja spürt man das Vorübereilen der vielen Leute, die Unruhe scheint in der Luft zu vibrieren. Aber: Es gibt auch Menschen, die verweilen, die bleiben, die am Ort Wurzeln geschlagen haben, arbeiten, ihren Hund ausführen, kochen, essen und abends in ihr Bett schlüpfen.

Diese Menschen hat die Fotografin Brigitte Lustenberger porträtiert. Aufgrund eines Stipendiums ist sie im Sommer 2001 nach Maloja gekommen und sie ist in Maloja eine Zeit lang geblieben: Im Ort des Transits hat sie sich auf die Suche nach der Ruhe gemacht und sie in den Gesichtern der älteren Menschen gefunden. Ihre Porträts, die in privaten Räumen und mit dem natürlich durchs Fenster einfallenden Licht entstanden sind, zeigen das Vertrauen der Porträtierten zur Fotografin. In ‘rembrandtscher Manier’ habe sie die Menschen fotografiert, sagt die Fotografin: Aus dem dunklen Raum tauchen die ruhigen, offenen Gesichter ans Licht, zeigen sich und lassen doch auch vieles nur angedeuted. Welche Lebensgeschichte hat sie nach Maloja geführt, welche Berufe und Tätigkeiten üben sie dort aus, wie ist die Gelassenheit in ihre Gesichter gekommen? In dunklen Farben gehalten, verströmen die Bilder Nähe und Vertrautheit, ohne die Menschen dem Voyeurismus der Betrachter auszuliefern.

Der professionellen Fotografie zur Seite gestellt sind die Bilder, die die Porträtierten mit einer Einwegkamera selbst fotografiert haben. Sie zeigen ihre Lebenswelt, ihre nächste Umgebung, ihre Sicht auf Maloja. Nicht die lärmige Strasse, die durchs Dorf führt, ist hier zu sehen, sondern die Aussicht, die Hauswand, der See, die Enkel, der Hund, die Blumen. Es sind grüne Bilder, Sommerbilder, und sie erzählen von einer heiteren, freundlichen, sauberen Welt.

Text: Nadine Olonetzky